Gynäkologie & Geburtshilfe
Schwangerschafts-Hypertonie: Diagnose
Hypertonie in der Schwangerschaft
Definition
Die Schwangerschafts-Hypertonie ist eine an die Gravidität gebundene Erkrankung.
Einteilung
Chronische Hypertonie
RR >140/90 mm Hg vor Beginn der Schwangerschaft bzw. vor der 20. Schwangerschaftswoche sowie Persistenz von mehr als 42 Tagen post partum
Transiente Hypertonie
nur während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt; Normalisierung innerhalb von zehn Tagen post partum
Präeklampsie
1. Hypertonie: Anstieg des systolischen Wertes um 30 mm Hg oder des diastolischen Wertes um 15 mm Hg bei einem bekannten Wert vor der 20. Schwangerschaftswoche; bei unbekanntem Zustand gelten Werte von >140 oder >90 als Hypertonie ab der 20. Schwangerschaftswoche
2. Proteinurie: >0.3 g/l/24 h im Harnstreifen
3. Ödeme: Impressionsdelle oder sehr rasche Gewichtszunahme von mehr als einem Kilo pro Woche
4. Schwere Präeklampsie: systolischer Wert: >160 mm Hg; diastolischer Wert: >110 mm Hg; Proteinurie: >5g/24h; Thrombozyten: <100.000/µl; erhöhte Transaminasen; Oligurie: <400ml/24h; sowie Lungenödeme, zerebrale oder visuelle Störungen, epigastrische Schmerzen
Risikofaktoren
- Präexistente Hypertonie
- Maternales Alter >40 Jahre
- Chronische renale Erkrankungen
- Diabetes mellitus
- Mehrlingsschwangerschaft
- Antiphospholipid-Syndrom
- Präeklampsie vor der 28. Schwangerschaftswoche bei vorausgegangener Schwangerschaft
- Vorangegangene PIH
Bei Erstmanifestation einer Hypertonie soll eine internistische Abklärung 6 Monate post partum empfohlen werden.
Vorgehen beim Vorliegen einer Hypertonie
- Häufige Messung des Blutdruckes
- Harnstreifen-Test
- Gewicht
- US und Doppler
- Stationäre Aufnahme bei Zeichen der schweren Präeklampsie (schwerer Hypertonie)
- Ambulante Betreuung mit Präeklampsieaufklärung
- Labor: Nieren- und Leberparameter, BB, Thrombozyten, Gerinnung
Präeklampsie (früher EPH-Gestose)
(EPH = Ödem [engl.: Edema], Proteinurie, Hypertonie)
Sie zeigt sich durch das Auftreten von Ödemen (generalisierte Ödembildung als Risikohinweis), Proteinurie (1-3g/24h leichte Form; >3g/24h schwere Form) und hohem Blutdruck (>135/85mm Hg, Leitsymptom). Sie kommt vor allem bei jugendlichen Erstgebärenden vor und ist gehäuft bei vorbestehender Hypertonie sowie bei Gefäß- oder Nierenerkrankungen (sog. Pfropfgestose). Diese Symptome können isoliert (monosymptomatische Form) oder in Kombination vorkommen. Bestimmung des Harnsäurewertes ist wichtig zur Beurteilung des Schweregrades der Erkrankung.
Pathogenese
- Vasoaktive, a-adrenerge Substanzen führen zu Gefäßspasmen in den Uterusarterien und dadurch zu vermehrter Fibrinablagerung um die Plazentazotten,Thromboxanerhöhung
- Infarkte der Plazenta (verminderte PGE 2-Bildung
- Chronische Hypoxie bewirkt eine Wachstumsretardierung des Fetus
- Erhöhte perinatale Mortalität;
Eklampsie
Sie ist die schwerste Form der Präeklampsief.
Zusätzlich zur EPH-Symptomatik Auftreten von zerebralen, gastrointestinalen und Visussymptomen.
Symptome
- Tonisch-klonische Krampfanfälle (postpartal 44%, antepartal 38%, intrapartal 18%)
- Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Visusstörungen
- Neurologische Beschwerden: Verwirrtheit, ev. Blindheit, Koma, fokale motorische Defizite
- Rascher Blutdruckanstieg
- Leber- und Nierenversagen
Pathogenese
- Vasoaktive, a-adrenerge Substanzen führen zu Gefäßspasmen
- Fibrinthromben
- Leberzellnekrosen
- Mütterliche Letalität: 3-5%; kindliche Letalität: 30-50%
Überwachung des Fetus
- Kardiotokographie
- Ultraschall-Fetometrie (Wachstumsretardierung!) Doppler
Differentialdiagnose
Epilepsie, Tetanie, Urämie, Coma diabeticum, Apoplexie
HELLP-Syndrom
In schwereren Fällen einer Präeklampsie kann eine mikroangiopathische hämolytische Anämie im Vordergrund stehen, die als HELLP-Syndrom bezeichnet wird.
HELLP: Hypertension; Elevated liver enzymes; Low platelets
Häufigkeit
1:150-300 Entbindungen
Pathogenese
- Gestörte Balance zwischen dem vasodilatatorisch wirksamen Prostazyklin und dem die Thrombozytenaggregation fördernden Thromboxan A. Dadurch Vasokonstriktion mit endovasalen Fibrinablagerungen und Thrombozytenaggregation
- Mikrozirkulationsstörungen, Schädigungen der Erythrozyten (Hämolyse) und Thrombopenien evtl. mit Übergang zur disseminierten intravasalen Gerinnung (DIG) und zur Koagulopathie; Kapillarschäden; zerebrale Hämorrhagien
- Makroskopisch finden sich an der Leber und Nebenniere neben einer intravasalen Gerinnungsstörung mit Mikrothromben Nekrosen und Einblutungen mit Transaminasenerhöhung
Symptome
- Akute epigastrische Oberbauchschmerzen (ca. 90%)
- Übelkeit und Erbrechen bei gleichzeitiger Spätgestose (Hypertonie, Proteinurie)
- Kopfschmerzen, Sehstörungen (dadurch evtl. Verwechslung mit drohender Eklampsie!)
- Eventuell schnelle Entwicklung eines Schocksyndroms als Folge von DIG, akutem Nierenversagen, Lungenödem, Hirnblutung oder der Ruptur eines subkapsulären Leberhämatoms mit intraabdominaler Blutung
Diagnostik
Labor
- Hämolysezeichen (Hb, Bilirubin, LDH, Haptoglobin), Hämatokritwerte
- Verminderung der Gerinnungsfaktoren
- Anstieg von GOT, GPT, LDH und Bilirubin
- Thrombozytenabfall
- Kreatininanstieg (Niereninsuffizienz), Proteinurie
Kind
- Intrauterin: bis zu 50% Wachstumsretardierung
- Asphyxie mit CTG-Veränderungen infolge der Plazentainsuffizienz
- Perinatale Letalität: 10-40%
Prognose
Materne Letalität 3-5%, fetale perinatale Letalität 10-40%. Keine Korrelation mit der Schwere der Präeklampsie, insbesondere der Höhe des Blutdrucks.
Letztes Update:11 März, 2009 - 13:52








